Normalerweise sind Bahnhöfe Plätze voller Erwartungen. Warten auf den Zug, der uns zur Arbeit oder in den Urlaub bringt, warten auf eintreffenden Besuch von Verwandten oder Freunden. Schnell wird noch ein Brötchen gekauft, um dem Hunger auf der Reise vorzubeugen, oder ein Strauß Blumen besorgt, um die Ankommenden zu begrüßen. Es ist hektisch, man ist beschäftigt. Dabei lohnt es sich, so manch einen Bahnhof etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

1. Der Schöne: Bahnhof Hamm

Der Kreuzungsbahnhof Hamm in Westfalen besticht vor allem durch sein Empfangsgebäude, welches seit 1990 unter Denkmalschutz steht. Der Bahnhof wurde bereits im Jahre 1847 eingeweiht, aber das Empfangsgebäude im Gründerzeitstil besteht in seiner heutigen Form erst seit 1920. Restaurierungsarbeiten in den Neunzigern sorgten dafür, dass der Bahnhof in seinen ursprünglichen Zustand versetzt wurde. Diese authentische Sanierung verwandelte den Bahnhof Hamm in ein historisch besonders interessantes Gebäude. Sehenswert sind vor allem die Decke der Bahnhofshalle und die Bahnhofsuhr, eingerahmt von Drahtzieher und Bergmann, Motive der Leitindustrien in Hamm.

Willy-Brandt-Platz 1b, 59065 Hamm

2. Der Älteste: Bahnhof Vienenburg

Ist man auf den Spuren der Anfänge von Deutschlands Bahnhöfen, sollte man dem Bahnhof Vienenburg in Goslar einen Besuch abstatten. Eröffnet im Jahre 1841, findet man hier heute eines der ältesten noch erhaltenen Empfangsgebäude. Es wurde zwischen 1838 und 1840 erbaut und ist durch einen Gang direkt mit dem anliegenden Kaisersaal verbunden. Dieser erhielt seinen Namen, da Wilhelm der Erste, damaliger König von Preußen, hier während eines Aufenthaltes in Vienenburg übernachtete. Wer noch mehr über die Vergangenheit des Bahnhofs erfahren möchte, kann dem im Bahnhofsgebäude befindlichen Eisenbahnmuseum einen Besuch abstatten.

Bahnhofstraße 8a, 38690 Vienenburg

3. Der mit Aussicht: Hamburger Hauptbahnhof

Eröffnet wurde der Hamburger Hauptbahnhof im Jahre 1906 von Kaiser Wilhelm dem Zweiten und beeindruckt durch seine Dachkonstruktion von mehr als siebzig Metern Spannweite. Besonders schön sind die zwei Türme, die die Bahnhofshalle umrahmen und durch eine begehbare Querung miteinander verbunden sind. Die Hauptattraktion ist allerdings die Aussicht, die sich einem bei der Anreise bietet. Kommt man aus dem Süden an, hat man eine einzigartige Sicht auf den Hafen, die Speicherstadt und die Deichtorhallen. Einen besseren Start für einen Trip nach Hamburg könnte man sich nicht wünschen.

Hachmannplatz 16, 20099 Hamburg

4. Der Kleine: Bahnhof Weimar

Die Fassade des neoklassizistischen Gebäudes ist das, was bei der Ankunft am Bahnhof in Weimar besonders beeindruckt. Umgeben ist das Gebäude von einem liebevoll gestalteten Vorplatz, der dem thüringischen Bahnhof mit seinen beschnittenen Hecken und weißem Kopfsteinpflaster eine entspannte Atmosphäre verleiht. Innerhalb des Bahnhofes sollte man einen Blick nach oben wagen: Während der Sanierungsarbeiten in den Neunzigern wurde hier eine historische Kassettendecke (eine Decke mit kastenförmigen Vertiefungen) freigelegt, die man nun in ihrer ganzen Pracht bewundern kann.

Schopenhauerstraße 2, 99423 Weimar

5. Der Beeindruckende: Berliner Hauptbahnhof

Am Berliner Hauptbahnhof scheiden sich die Geister. Zu viel? Zu groß? Zu modern? Beeindruckend ist das Gebäude, welches von Architekt Meinhard von Gerkan entworfen und im Jahre 2006 eröffnet wurde, auf jeden Fall. Es erstreckt sich über insgesamt fünf Ebenen (zwei, die dem Bahnverkehr dienen, und drei, die als Verbindungs- und Geschäftsebenen genutzt werden), aber wirkt mit seinen langen, gläsernen Hallen und dem gewölbten Mitteldach dennoch unbeschwert, und, dank der lichtdurchfluteten Räumlichkeiten, einladend.

Europaplatz 1, 10557 Berlin

6. Der Geschichtliche: Bahnhof Potsdam Pirschheide

Heute kann man den Bahnhof Potsdam Pirschheide nur noch vom Potsdamer Hauptbahnhof aus erreichen, aber der kurze Trip lohnt sich für alle, die Interesse an ein bisschen Ost-West-Geschichte haben. Von großer Bedeutung zu Zeiten der DDR, wurde Potsdam Pirschheide 1960 zum Hauptbahnhof von Potsdam erklärt. Nach der Wiedervereinigung verlor der Bahnhof allerdings an Bedeutung, da der Verkehr wieder über die Berliner Stadtbahn laufen konnte. Potsdam Stadt wurde wieder Hauptbahnhof und Pirschheide geriet langsam in Vergessenheit. Seit 2013 ist der Bahnhof als Denkmal gelistet und lohnt den kleinen Umweg mit der Regionalbahn.

Zum Bahnhof Pirschheide, 14471 Potsdam

7. Der Bezaubernde: Nürnberger Hauptbahnhof

Ein bisschen ist es, als würde man ein Museum besuchen, statt eine Reise anzutreten. Eine denkmalgeschützte Fassade aus Muschelkalk, eine imponierende Haupthalle im Jugendstil. Stuck an der Decke und mit Mosaik bedeckte Wände. Ursprünglich als neugotisches Bauwerk errichtet, wurde der Nürnberger Hauptbahnhof im Jahre 1900 im Stil des Neubarocks umgebaut und ist nicht nur für Architekturinteressierte einen Besuch wert. Vor allem dem Jugendstilsaal sollte man einen Besuch abstatten, und zwar nicht nur, weil er sich gut als angenehmer Platz zum Ausruhen eignet. Als einer der einzigen Bereiche des Bahnhofs, welcher den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstand, ist dieser für sich ein interessantes Stück Geschichte.

Bahnhofsplatz 9, 90443 Nürnberg

8. Der Grüne: Darmstädter Hauptbahnhof

Begrünte Bahnhöfe sind keine Seltenheit, aber kaum ein Bahnhof steht gleich mitten in einem Park, wie der Darmstädter Hauptbahnhof. Hier fügt sich der graue Naturstein des Gebäudes wunderschön in sein grünes Umfeld aus Hecken, Blumenbeeten und großzügig ausgedehnten Grasflächen ein. Innen verwandelt moderne Glasarchitektur den Bahnhof in einen hellen, freundlichen Raum, in dem gemütliche Ledersessel überall zum Ausruhen einladen. Entworfen wurde der Bahnhof im Art Nouveau Stil von Friedrich Pützer zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts und ist eines seiner bedeutendsten Werke.

Am Hauptbahnhof 20, 64293 Darmstadt

9. Der Künstlerische: Bahnhof Uelzen

Der Bahnhof in Uelzen ist eine Attraktion für sich. Die Beteiligung des Malers und Architekten Friedensreich Hundertwasser, nach dessen Vorgaben das Gebäude zwischen 1998 und 2000 umgebaut wurde, verwandelten den Bahnhof in ein architektonisches Kunstwerk. Kunterbunte Farben, geschwungene Linien und runde Formen bestimmen hier den Ton. Auf keinen Fall verpassen sollte man das Badezimmer – ein Traum aus Mosaiken. Hier gibt es so viel zu sehen, dass man am besten an einer der Führungen teilnimmt, die einmal täglich um 11 Uhr angeboten werden und in einer Stunde eine gute Übersicht über die wunderbarsten Details des Uelzer Bahnhofs geben.

Friedensreich-Hundertwasser-Platz 1, 29525 Uelzen

10. Der Vergessene: (Bahnhof) Wittibreut

Bahnhöfe sind aufregend. Das fanden auch die Bewohner im bayerischen Wittibreut, die Ende des neunzehnten Jahrhunderts darauf warteten, dass ihr Städtchen mit einer Bahnverbindung versehen werden sollte. Die Pläne waren noch ungenau, als Andreas Aigner im Jahre 1876 beschloss, hier auf eigene Faust eine Bahnstation zu bauen. Eine Station, die im Endeffekt nie eine Eisenbahn sehen sollte: Wittibreut wurde nicht ans Bahnnetz angeschlossen. Heute steht der Bahnhof unter Denkmalschutz und kann von Simbach am Inn aus mit dem Bus in einer Viertelstunde erreicht werden.

Akazienweg 7, 84384 Wittibreut

Deutschlands Bahnhöfe stecken voller aufregender Geschichten; oft sind sie nicht nur funktionsorientierte Gebäude, sondern auch wahre architektonische Schönheiten. Bei eurer nächsten Reise schaut euch einfach mal genauer um und seht, was es alles so zu entdecken gibt.