Amerikanische Kaffeeketten übernehmen die Einkaufsstraßen, schwedische Möbel füllen unsere Wohnungen. In einer immer globaler werdenden Welt sind multikulturelle Einflüsse unser Alltag. Auf der Suche nach mehr als einem skandinavischen Lampenschirm oder einem französischen Kinderwagen finden sich in Deutschland vielfältige Einflüsse aus der ganzen Welt. Wir stellen euch fünf Städte vor, die nur eine Bahnfahrt entfernt liegen und die Möglichkeit bieten, ein bisschen europäisches und internationales Ambiente zu genießen.

1. Auf den Spuren französischer Kaiser in den Aachener Bädern

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Die Bäder und Therme in Aachen locken Jahr für Jahr zahlreiche Besucher mit ihren warmen Quellen und wohltuenden Behandlungen an. Kein Wunder, dass die französische Regierung nach der Besetzung Aachens gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts an den Bädern Gefallen fand und diese kurzerhand zu Staatseigentum erklärte. Die Beliebtheit der Quellen und Badehäuser bei der kaiserlichen Familie sorgte dafür, dass viel Geld in sie investiert wurde. Zusätzliche Quellkammern im Kaiserbad sowie Erweiterungen des Kaiser- und des Rosenquells sind der französischen Vorliebe für Aachener Badekultur zu verdanken. Die Aachener bekamen ihre Bäder wieder zurück, aber lässt man sich heute entspannt in der Therme treiben, kann man sich gut vorstellen, wieso es Kaiserin Josephine damals so gut gefiel.

2. Japanische Kultur in Düsseldorf

Seit mehr als fünfzig Jahren ist nicht nur die wirtschaftliche Beziehung zu Japan von großer Bedeutung für die nordrhein-westfälische Hauptstadt, auch kulturell bereichern die hier wohnhaften Japaner das Stadtbild. Düsseldorf ist der perfekte Ort, um im Japanischen Garten zu entspannen oder im EKŌ-Haus in einem der Ausstellungsräume mehr über japanische Kultur zu erfahren. Besonders interaktiv wird es hier beim sommerlichen O-Bon-Fest, einem buddhistischen Feiertag zur Errettung der Geister verstorbener Ahnen, oder bei den monatlich stattfindenden öffentlichen Teezeremonien. Und ein Aufenthalt in der Stadt wäre nicht komplett, ohne einem der authentischen japanischen Restaurants einen Besuch abgestattet zu haben. Das Takumi ist sehr beliebt für seine Ramen-Nudeln, und wer auf der Suche nach Sushi und Sashimi ist, ist im Yabase bestens aufgehoben.

3. Äthiopisches Lebensgefühl in Nürnberg

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Seit acht Jahren findet jeden Sommer das Afrika-Festival in Nürnberg statt und kleidet die bayerische Stadt für mehrere Tage in ein farbenfrohes Gewand. Hier könnt ihr euch durch eine große Auswahl an afrikanischen Speisen schlemmen, den Klängen der Livebands lauschen und euch auf dem Markt nach afrikanischen Waren und Kunstwerken umschauen. Außerhalb des Festivals hat vor allem die äthiopische Kultur eine große Präsenz in Nürnberg. Der äthiopische Kulturverein veranstaltet regelmäßige Versammlungen und die Äthiopisch Orthodoxe Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit heißt interessierte Besucher willkommen. Und wer traditionelle Gerichte wie mit Linsen gefüllte, frittierte Teigtaschen oder scharfes Kifto (ein Tartar vom Rind) probieren möchte, wird im Shashamane fündig. Hier finden oftmals auch Musikabende statt, welche zum unterhaltsamen Beisammensein einladen.

4. Ein Hauch italienischer Renaissance in Augsburg

Wer Interesse an der Kunst und Architektur der italienischen Renaissance hat, muss mit dem Zug nicht weiter südlich als Augsburg fahren. Hier befindet sich die Fugger’sche Grabkapelle, eines der meisterhaftesten Denkmäler der Renaissance in der Bundesrepublik. Die Kapelle wurde im frühen sechzehnten Jahrhundert von den Brüdern Fugger als Grab- und Gedächtnisstelle für die Familie gestiftet und nach italienischem Vorbild geschaffen. Besonders sehenswert sind die von Albrecht Dürer geschaffenen Familienepitaphe, welche an die Brüder Jakob und Ulrich erinnern, als auch die von Hans Daucher gestaltete Fronleichnamsgruppe, welche ein zentrales Stück der Kapelle darstellt. Mit einer Vielfalt an detaillierten Reliefs und einem beeindruckenden Deckengewölbe sowie Einflüssen verschiedenster bedeutender Künstler und Architekten gibt es in der Grabkapelle viel zu entdecken.

5. Einsichten in die russische Vergangenheit von Potsdam

Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts errichtete der preußische König einer Gruppe von russischen Soldaten in Potsdam eine Siedlung aus Holzhäusern im russischen Stil. Wenige Jahre später wurde hier im Jahre 1829 die russisch-orthodoxe Alexander-Newski-Gedächtniskirche eingeweiht, die der preußische König in Gedenken an Zar Alexander den Ersten errichten ließ. Heute kann man hier ein Museum besuchen, das über das Leben der ursprünglichen Einwohner berichtet. In der Mitte der Kolonie gelegen befand sich damals das Aufseherhaus – heute findet man sich hier eine Gaststätte, in der traditionelle Speisen angeboten werden. Sehr interessant ist auch der Sommergarten, der mit einer Ausstellung von originalen Alltagsgegenständen und Geräten aus dem Agrikulturbereich einen interessanten Einblick in die Vergangenheit bietet.

Appetit auf Miso oder Interesse an russischer Architektur? Findet das Unbekannte im Nahen, und erkundet Deutschland mit der Bahn.