Darmstadt ist mit 150.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Hessens und hebt sich von ihren Nachbarstädten Frankfurt, Mainz und Wiesbaden durch einen ganz besonderen Titel ab: Darmstadt ist Wissenschaftsstadt. Diese ehrenvolle Bezeichnung erhielt die Stadt 1997 wegen der hohen Anzahl an Bildungsstätten und Forschungseinrichtungen, die ihren Sitz in Darmstadt haben. Neben den beiden größten Hochschulen, der bereits 1877 gegründeten Technischen Universität und der Hochschule Darmstadt, befinden sich zahlreiche Akademien, wissenschaftliche Einrichtungen und Unternehmen in der Stadt.

Es ist also kaum verwunderlich, dass sich viele der in und um Darmstadt angebotenen Freizeitangebote um die Wissenschaft drehen. Für junge Köpfe, Kinder, Erwachsene und neugierige Rentner gibt es verschiedene Angebote, jedes Alter ist abgedeckt. Wir empfehlen euch, auf jeden Fall der Volkssternwarte auf der Ludwigshöhe einen Besuch abzustatten. Hier steht ein Observatorium, das dank dem Engagement von darmstädter Hobbyastronomen enstand und von einem gemeinnützigen Verein betreut wird. Die Vereinsmitglieder bieten regelmäßig Führungen, Lehrveranstaltungen, Diskussionsabende und mehr an. Der Besuch lohnt sich natürlich vor allem am Abend - als wir einen Ausflug in die Sternwarte machten, durften wir durch das große Teleskop einen Blick auf den über tausend Lichtjahre entfernten Orionnebel werden - eine einzigartige und faszinierende Erfahrung.

Bei schönem Wetter könnt ihr auch draußen durchs Universum wandern - über den Planetenweg. Dabei handelt es sich um einen drei Kilometer langen Rundgang um die Volkssternwarte, der mit Informationstafeln über das Sonnensystem gespickt und im Maßstab 1:1 Milliarde die Position der Planeten widerspiegelt. Auch in Darmstadt und auch im Bereich Astrologie angesiedelt liegt das Europäische Satellitenkontrollzentrum ESOC. Regelmäßig werden Führungen durch die Räumlichkeiten des Zentrums angeboten, das Teil der European Space Agency ESA ist. Etwas außerhalb der Stadt liegt ein weiterer wissenschaftlich interessanter Ort, die Grube Messel. Die Grube, in der früher Ölschiefer abgebaut wurde, ist Fundort vieler bedeutender Fossilien und wurde 1995 zum UNESCO Weltnaturerbe ernannt. Regelmäßig finden Führungen und Aktivitäten für Kinder und Erwachsene statt - werft am besten einen Blick auf die Website der Grube Messel, um herauszufinden, was an dem von euch gewählten Datum stattfindet. Die Grube erreicht ihr entweder per Zug vom darmstädter Hauptbahnhof aus - ab Messel sind es ca. 2 Kilometer Fußmarsch bis zum Fossilienfundort - oder mit den Buslinien U und F, die bis zur Haltestelle Grube Messel-Besucherzentrum fahren.


Das zweite Highlight und große Thema, das in Darmstadt allgegenwärtig ist, ist der Jugendstil: vor allem die Mathildenhöhe in Darmstadt gilt als das Zentrum des Jugendstils in Deutschland und ist aus der Architekturgeschichte nicht wegzudenken - hier befinden sich neben dem ikonischen Hochzeitsturm auch die darmstädter Künstlerkolonie, deren Ausstellungsgebäude und mehrere Künstlerhäuser. Die sogenannte Künstlerkolonie entstand 1899, nachdem der letzte Großherzog von Hessen-Darmstadt verschiedene Künstler der Jugendstilbewegung in die Stadt holte mit dem Ziel, moderne, zukunftsweisende Bau- und Wohnformen zu erschaffen. Rund um die Mathildenhöhe wurden den Künstlern Grundstücke angeboten, auf denen sie Häuser nach ihren eigenen Entwürfen errichteten - diese konnten damals während Ausstellungen als Musterhäuser und auch heute noch im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Bis in die 1930er Jahre wurden weitere Künstler von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen berufen, permanente Mitglieder der Kolonie zu werden oder aber an einzelnen Projekten mitzuarbeiten. Kurz vor Gründung der Künstlerkolonie wurde ein weiteres interessantes Bauwerk fertiggestellt, das zwischen den Jugendstilgebäuden auf der Mathildenhöhe steht. Die russische Kapelle, ein buntes, mit goldenen Zwiebeltürmen versehenes Gebäude, wurde 1897 vom Gatten der Prinzessin von Hessen-Darmstadt in Auftrag gegeben. Der russische Zar wollte auch bei den Heimatbesuchen seiner Frau seine religiösen Pflichten in angemessenem Rahmen ausüben und ließ sogar russische Erde importieren, auf welcher die Kapelle dann erbaut wurde. Sie wird auch heute noch von der russisch-orthodoxen Gemeinde für Gottesdienste genutzt und kann auch von innen besichtigt werden.

Alternativ könnt ihr in Darmstadt Museen besuchen, die sich mit anderen Kunstepochen beschäftigen - zum Beispiel das Hessische Landesmuseum - oder einen Blick auf die Waldspirale werfen, ein Haus, das kurz vor seinem Tod von dem Künstler Friedensreich Hundertwasser entworfen wurde. Auch die Burg Frankenstein ist einen Besuch wert - sie wird als Namensgeber für Mary Shelleys Roman Frankenstein beworben, Literaturfreunde haben daran allerdings ihre Zweifel. Trotzdem blickt die Burg auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück und ist vor allem bei Sonnenschein ein lohnendes Ausflugsziel - oder für Horrorfans im dunklen Nebel.

Darmstadt ist so klein, dass ihr die meisten Attraktionen zu Fuß erreichen könnt, allerdings liegt der Hauptbahnhof nicht direkt im Stadtzentrum, sodass ihr rund 20 Minuten gehen müsst, um zum Schloss im Zentrum zu gelangen. Alternativ fahren Busse und Bahnen vom Hauptbahnhof aus in alle Richtungen.