Kennt ihr das erhebende Gefühl mit 30.000 Menschen aus über hundert Nationen gemeinsam zu rennen, einige davon die besten Läufer der Welt? Das Gefühl, wenn am Streckenrand tausende Zuschauer stehen und jubeln, während ihr durch einige der schönsten und spannendsten Gegenden der Hauptstadt lauft? Nein? Dann solltet ihr Berlin am 2. April einen Besuch abstatten. Denn dann findet der 37. Berliner Halbmarathon statt. Dabei spielt es keine Rolle, ob ihr selber lauft oder nur Zuschauer seid. Die einzigartige Atmosphäre in der frühlingshaften Stadt ist auch für Nichtteilnehmer ein unvergessliches Erlebnis.

21,0975 Kilometer ist die Strecke lang, exakt die Hälfte eines Marathons. Das gilt auch für die Inlineskater, Rollstuhlfahrer und Handbiker, die inzwischen ihre eigenen Läufe rund um den Halbmarathon haben. Start und Ziel liegt auf der einstigen DDR-Prachtmeile, der Karl-Marx-Allee mit ihren gigantischen Stalin-Bauten im Zuckerbäckerstil. Die Strecke führt durch die Bezirke Mitte, Tiergarten, Schöneberg und Charlottenburg und liest sich wie eine Liste der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Es geht vorbei an Museumsinsel und Berliner Dom, durch das Brandenburger Tor und vorbei am Regierungsviertel. Die Läufer passieren den wunderschönen Tiergarten, der Anfang April gerade wieder erblüht. Sie überqueren den Landwehrkanal, umrunden den Kreisverkehr auf dem Ernst-Reuter-Platz und stürmen weiter Richtung Schloss Charlottenburg. Hier hat das Läuferfeld seinen westlichsten Punkt erreicht und schlägt einen Haken, die Schloßstraße hinunter und dem Kurfürstendamm entgegen. Dann geht es hinauf bis zur Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz. An der Urania vorbei und entlang des Schöneberger Ufers bis der Potsdamer Platz in Sicht ist. Ab Potsdamer Platz sind die Läufer praktisch auf der Zielgeraden, passieren noch das Nikolaiviertel und rennen dem Fernsehturm entgegen, bevor sie wieder auf der Karl-Marx-Alle ankommen. Und obwohl die fast zweiundzwanzig Kilometer kein Klacks sind, sieht man erstaunlich viele glückliche Gesichter hinter der Ziellinie.

Dabei geht es bei diesem beliebten Ereignis auch um sportliche und gesellschaftliche Geschichte. In seiner heutigen Form besteht der Halbmarathon seit 1990, dem Jahr der Wiedervereinigung der geteilten Stadt und des ganzen Landes. Davor gab es in beiden Stadthälften eigene Läufe: den Friedenslauf seit 1981 auf Ost-Berliner Seite und den SCC-Halbmarathon auf West-Berliner Seite. Ihr Zusammenschluss sicherte das Überleben beider Läufe und ist zugleich ein Zeichen der friedlichen Wiedervereinigung. Entsprechend führt die Strecke bis 2011 durch beide Teile der Stadt, mit dem Start- und Zielpunkt auf dem Alexanderplatz.

Der Halbmarathon ist das Sportereignis des Berliner Frühlings. Wer nicht selber läuft, kann sich ein paar Stationen entlang der Strecke aussuchen und sieht die Stadt von ihrer schönsten Seite. Zugverbindungen nach Berlin bis direkt auf den Alexanderplatz findet ihr hier