Bahnfahren in Frankreich

SNCF steht für Société nationale des chemins de fer française, zu deutsch 'nationale Gesellschaft der französischen Eisenbahnen'. Es handelt sich bei dem Unternehmen um das staatliche Bahnunternehmen, welches ähnlich wie die Deutsche Bahn in Deutschland einen Großteil des Personen- und Güterverkehrs sowie des Schienennetzes in Frankreich betreibt. Das Verkehrsnetz umspannt circa 32.000 Kilometer und wird täglich von rund 14.000 Zügen befahren. SNCF wurde im Zuge der Nationalisierung mehrerer französischer Bahngesellschaften im Jahr 1938 gegründet.

Zugtypen: TGV, TER, Thalys und Co.

TGV: Train à Grande Vitesse - Hochgeschwindigkeitszug, der große Städte miteinander verbindet und mit einer Geschwindigkeit von bis zu 300 km/h unterwegs ist. 

IC: Intercité - Verkehrt zwischen Großstädten sowie solchen mittlerer Größe, ist etwas langsamer als der TGV (Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h), dafür aber meist auch günstiger. Auch auf einigen Nahverkehrsstrecken fährt der Intercité, dort allerdings nicht schneller als 160 km/h. 

TER: Transport Express Régional - Der Großteil des regionalen Netzes ist durch die TER-Züge abgedeckt (Train Express Régional). Diese können wegen ihrer Ausstattung und auch den Ticketpreisen mit den Regionalbahnen der Deutschen Bahn verglichen werden - es gibt eine erste und eine zweite Klasse, Tickets können, müssen aber nicht im Voraus gebucht werden. Die Fahrkartenpreise sind gleichbleibend und hängen ab von der Entfernung, die zurückgelegt wird. 

RER: Réseau Express Régional - ein Pendlerzug in der Metropolregion Paris, der mit der S-Bahn in Deutschland vergleichbar ist. Er verbindet Außenbezirke der Region mit dem Stadtzentrum. 

Thalys - Internationaler Hochgeschwindigkeitszug, der von SNCF, der Deutschen Bahn und der belgischen Zuggesellschaft SNCB gemeinsam betrieben wird. Mit dem Thalys kommt ihr aus verschiedenen deutschen Städten wie Köln, Dortmund und Aachen aus nach Lüttich, Brüssel, Lille und Paris. Diese Bahn macht spontane Wochenendtrips in die französische Stadt der Liebe möglich, denn die Fahrt von Aachen nach Paris dauert weniger als drei Stunden.  

Eurostar - Hochgeschwindigkeitszug zwischen Großbritannien und Frankreich. Eurostar ist ein eigenes Unternehmen, welches zu 55% zu SNCF gehört. Die Bahn, die durch den Eurotunnel das englische Festland mit Frankreich verbindet, ist für deutsche Reisende vor allem wegen der Strecke Brüssel - London interessant. Von Köln aus gelangt man per ICE in weniger als zwei Stunden auf direktem Weg nach Brüssel. Wer die volle Route des Eurostars bereisen möchte, gelangt von London aus über Calais und Lille nach Brüssel oder Paris oder kann von London über Calais, Lille und Lyon bis nach Marseille fahren. 

Klassen in französischen Zügen

In den meisten Bahnen der SNCF gibt es eine Standardklasse (zweite Klasse) und eine erste Klasse. Die Buchung einer Fahrkarte erster Klasse lohnt sich nur, wenn ihr mehr Fußraum oder Ruhe zum arbeiten braucht - ansonsten reist es sich in der zweiten Klasse fast genauso komfortabel - und günstiger. Im TGV gibt es zudem eine Business-Klasse: TGV Pro. Ein Ticket dieser Art berechtigt nicht nur zur Nutzung der Grand Voyageur Lounges (Luxuriöse Wartebereiche in den Bahnhöfen Paris, Bordeaux, Rennes, Strasbourg, Nantes, Marseille, Lyon Part Dieu und Lille Flandres), sondern enthält auch die Gratis-WLAN-Nutzung und einen Willkommensdrink und -snack an Bord. 

Ticketarten und Preiskategorien 

 SNCF-Fahrkarten können generell bis zu 92 Tage im Voraus gebucht werden. Besonders die Prem-Tickets sind schnell ausverkauft, wer sparen möchte, sollte seine Reise also möglichst früh planen.

  • Prem - Tickets mit Zugbindung, die im Voraus gebucht werden müssen. Da es sich um ein besonderes Angebot handelt, können Fahrkarten weder umgetauscht noch storniert werden. Die Tickets sind bis zu zwei Wochen vor Abreise erhältlich, danach können keine Prem-Fahrkarten mehr gekauft werden.

  • Loisir - der Freizeittarif für TGV und Intercité. Tickets gelten für die ausgewählte Bahn, können jedoch bis zum Tag der Abreise umgetauscht werden. Bis zu 31 Tage vor Abfahrtstermin wird der volle Ticketpreis rückerstattet, danach fällt eine Gebühr von fünf Euro pro Person und Fahrt an. Ab zwei Tage vor der Reise werden 40% des Ticketpreises fällig - höchstens jedoch 15 Euro für TGV- und 12 Euro für Intercité-Fahrkarten.

  • Pro - ein komplett flexibler Preis, der sich vor allem für Businessreisende lohnt. Tickets werden für einen bestimmten Zug gebucht, können aber bis zur Abfahrt des Zuges umgetauscht werden und sogar bis zu zwei Stunden nachdem die Bahn losgefahren ist, wenn dies am Abfahrtsbahnhof geschieht. Sehr hilfreich, wenn ihr einmal euren Zug verpasst.

  • Pack Tribu - Gruppenticket für vier bis sieben Reisende. Wenn drei Tickets gleichzeitig gekauft werden - egal ob Prem- oder Normalpreis - kann eine vierte Fahrkarte gratis erworben werden. Erhältlich für die erste und zweite Klasse.

Wissenswertes

🚲 Fahrradmitnahme

Generell ist es einfacher, Fahrräder in Regionalbahnen zu transportieren. Wir empfehlen die Reise per TER: hier können Räder gratis in einem speziellen Waggon mitgenommen werden. Da die Plätze für Räder limitiert sind und es nicht möglich ist, diese vorab zu reservieren, solltet ihr möglichst früh am Bahnhof zur Abfahrt bereit stehen. Auch in Intercité-Zügen können Fahrräder mitgenommen werden. Per Bahn stehen 20 Plätze zur Verfügung. Bei Zügen mit Reservierungspflicht muss auch für das Fahrrad eine Fahrkarte erworben werden. 

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ihr in der Region Paris mit dem Rad unterwegs seid: auch im TER ist die Fahrradmitnahme erlaubt - Wochentags allerdings nur außerhalb der Rush hour vor 6.30 Uhr, zwischen 9.30 und 16.30 sowie ab 19.30 Uhr. An Wochentagen und in den Schulferien kann man rund um die Uhr mit dem Fahrrad reisen. 

Wenn ihr ganz sicher gehen wollt, dass euer Fahrrad mit euch reisen darf, solltet ihr es in einer Transportbox oder Tasche verstauen, die nicht größer als 120 x 90 cm ist. Dazu empfiehlt es sich, Lenker und Pedale abzumontieren oder das Fahrrad einzufalten, falls es sich um ein Klapprad handelt. In dieser Form dürfen Fahrräder in allen Zügen in Frankreich transportiert werden. 

🐶 Haustiere

Wer in Frankreich mit Hund, Katze und Co. Bahn fahren möchte, muss ein extra Ticket kaufen. Über Trainline geht das ganz einfach: Schnell ein Kundenkonto anlegen und dann unter "Passagier" auf die kleine Hundepfote klicken. Pro Person sind zwei Tiere beziehungsweise Transportboxen erlaubt. Für Haustiere, die weniger als 6 Kilogramm wiegen und in eine Box oder Tasche mit dem Maßen 45 x 30 x 25 cm passen, fällt eine Gebühr von sieben Euro an. Wiegt das Tier mehr als 6 Kilo, müssen 50% des Normalpreises für die zweite Klasse bezahlt werden. Wenn es sich um einen Hund handelt, muss dieser während der gesamten Fahrt einen Maulkorb tragen. Alle Haustier-Tickets können bis zum Tag vor dem Abreisedatum für eine Gebühr von 10% des Ticketpreises umgetauscht werden. 

👪 Reisen mit Kindern

Auch für Kinder muss stets eine Fahrkarte reserviert werden. Kinder unter vier Jahren reisen gratis, wenn sie auf dem Schoß der Eltern sitzen, also keinen eigenen Sitz benötigen. Für Vier- bis Elfjährige gibt es ein besonders günstiges Angebot, nämlich 50% Rabatt auf Standard-Ticketpreise.  

🛂 Gepäckkontrolle

Wer mit dem Eurostar reisen will, muss vor Abfahrt eine Sicherheits- und Ausweiskontrolle durchlaufen. Ähnlich wie am Flughafen wird hier das Gepäck durchleuchtet und die Reisedokumente kontrolliert - beim Packen also an den Ausweis oder Reisepass denken. Bei der Reise von Deutschland aus findet dies erst in Brüssel statt - hier einfach den Eurostar-Schildern folgen. Startet ihr eure Reise in London, solltet ihr euch mindestens 30 Minuten vor Abfahrt des Zuges am Eurostar-Terminal einfinden, denn hier bildet sich oft eine Schlange am Check-In. 

 

Beliebte Bahnstrecken