Über Renfe

Wie in Deutschland liegt auch in Spanien das Schienennetzwerk in staatlicher Hand. Es wird betrieben von Renfe (Red Nacional de los Ferrocarriles Españoles, auf deutsch nationales Netz der spanischen Eisenbahnen). Nachdem die spanischen Eisenbahnen lange von privaten Unternehmen betrieben wurden, verstaatlichte die spanische Regierung im Jahr 1941 das gesamte Bahnnetzwerk. 2004 wurde das Unternehmen zwar umstrukturiert und teilweise privatisiert, trotzdem hält Renfe auch heute noch eine Monopolstellung inne.

Zugtypen - AVE, Alvia, Euromed

Generell lassen sich die Züge in Spanien in Hochgeschwindigkeits-, Express- und Regionalbahnen unterteilen. Das Flaggschiff von Renfe heißt AVE (Alta Velocidad España, spanische Hochgeschwindigkeit), ist einer der schnellsten Züge in Europa und verbindet große Städte im ganzen Land. Er bringt Reisende mit bis zu 300 Stundenkilometern ans Ziel und verkehrt beispielsweise zwischen Madrid und Barcelona, Madrid und Alicante und Valencia und Sevilla. Weit über 2500 Kilometer umspannt das Hochgeschwindigkeitsnetz und ist somit das streckenmäßig am weitesten ausgebaute Netz in ganz Europa. Sogar ins Nachbarland Frankreich führen einige Routen des AVE - so kann man mit dem Schnellzug von Madrid nach Marseille und von Barcelona nach Lyon oder Toulouse reisen. Die Strecken werden gemeinsam von Renfe und der französischen Bahngesellschaft SNCF betrieben. Die fortschrittliche Ausstattung der Waggons beinhaltet flexible Sitze, die vor Abfahrt des Zuges automatisch in Fahrtrichtung gedreht werden.

Zusätzlich zu den Hochgeschwindigkeitszügen AVE betreibt Renfe weitere Züge, die etwas langsamer als der rund 300 km/h schnelle AVE unterwegs sind. So heißt das Äquivalent, das eine Höchstgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern erreicht Alvia, außerdem gibt es den Zugtyp Avant - dabei handelt es sich um einen Hochgeschwindigkeitszug, der extra für Kurzstrecken von bis zu 90 Minuten Reisezeit entworfen wurde. Trotz seiner hohen Geschwindigkeit wird der Avan zu den Regionalbahnen, den Media Distancia, gezählt. Die restlichen Züge dieser Klasse ähneln denen der Deutschen Bahn: Intercity (langsamere Züge für lange Strecken zu Mittelstreckenpreisen), Regionalbahn und Regional Express.

Zumindest einen besonderen Namen hat der Service Trenhotel von Renfe: Dabei handelt es sich um Nachtzüge, in denen Zimmer mit Betten gebucht werden können. Sie ähneln den City Night Line Zügen der Deutschen Bahn. Dieser Zug verkehrt zwischen Madrid und dem Norden Spaniens sowie Portugal.

Klassen in spanischen Zügen

Renfe unterteilt ihre Waggons und somit auch die Fahrkarten in drei verschiedene Klassen:

  • Turista - quasi eine dritte Klasse, die im Vergleich zu der zweiten und ersten zwar etwas veraltet wirkt, aber trotzdem genügend Komfort bietet und meist am günstigsten ist. Es befinden sich je zwei Sitze links und rechts des Mittelgangs, an jedem Platz befindet sich eine Steckdose und die Waggons sind sogar mit kleinen Monitoren ausgestattet, auf denen Filme gezeigt werden. Diese sind an der Decke über dem Mittelgang angebracht, der Ton kann über Kopfhörer, die das Zugpersonal austeilt, angehört werden.

  • Turista Plus - Der signifikante Unterschied zur Turista Klasse ist der größere Abstand zwischen den Sitzen sowie die geringere Anzahl an Sitzen, nämlich auf einer Seite des Mittelganges zwei und auf der anderen nur einer. So kann man, wenn gewünscht, alleine sitzen, ansonsten sind die Waggons ähnlich ausgestattet wie die der Klasse Turista.

  • Preferente - die erste Klasse der AVE-Züge. Sie ist mit großen Ledersitzen ausgestattet, die wie in der Klasse Turista Plus angeordnet sind. Wer ein Ticket für diese Klasse erwirbt, kann von vielen zusätzlichen Komfortangeboten profitieren. So gewährt die Fahrkarte Eintritt zu den Warte-Lounges “Salas Club”, die in vielen Bahnhöfen zu finden sind. Außerdem sind Zeitungen sowie eine warme Mahlzeit an den Tagen Sonntag bis Freitag im Ticketpreis inbegriffen.

Ticketarten und Preiskategorien

 

  • Promo - meist der günstigste Tarif, den Renfe anbietet. Er kann mit dem Sparpreis der Deutschen Bahn verglichen werden, muss im Voraus gebucht werden und wenn das Ticket einmal gebucht ist, kann es weder geändert noch storniert werden. Bei der Buchung wird dem Reisenden ein Platz zugewiesen, eine freie Platzwahl ist nicht möglich. Dafür kosten Promo-Fahrkarten bis zu 70% weniger als Tickets zum Normalpreis. Das Kontingent dieser Karten ist limitiert, es lohnt sich also, früh zu buchen. Tickets dieses Tarifs sind für die zweite, jedoch nicht für die erste Klasse erhältlich.

  • Promo+ - Promo+ Tickets sind mit einem Rabatt von bis zu 65% auf den Standardpreis erhältlich, je nach Zugart und Zeitpunkt variieren die Preise. Eine Sitzplatzreservierung ist im Ticket enthalten, ebenso ist eine Stornierung möglich - Renfe behält jedoch 30% des Ticketpreises als Stornierungsgebühr ein. Wenn eine Umbuchung gewünscht ist, fallen 20% des Kaufpreises als Bearbeitungsgebühr an. Dieser Tarif ist für die zweite Klasse erhältlich.

  • Flexible - Fahrkarten dieser Art sind zum Standardpreis erhältlich. Sitzplätze sind frei wählbar, auch eine Änderung des Reisetages oder der Fahrzeit ist gratis möglich - wenn das neue Ticket teurer ist, muss die Preisdifferenz gezahlt werden, ist es günstiger, so fallen 15% des Ticketpreises als Wechselgebühr an. Soll die Fahrkarte storniert werden, müssen 5% des Ticketpreises entrichtet werden. Diese Tickets sind für die zweite sowie erste Klasse erhältlich.

  • Tarifa Mesa - Dieser besondere Tarif für 4 Personen, die gemeinsam reisen, gewährt 60% Rabatt auf den Gesamtpreis des Tickets. 'Mesa' bedeuted Tisch, und genau das wird gebucht: vier Sitze an einem Tisch im Zug. Die Fahrkarte kann auch für drei Personen gebucht werden, allerdings zum gleichen Preis wie für vier Reisende. Änderungen sind nicht möglich, bei einer Stornierung behält Renfe 50% des Ticketpreises als Gebühr ein. Hin- und Rückfahrtticket: Bei der gleichzeitigen Buchung von zwei Fahrkarten (für Hin- und Rückfahrt) gibt es 20% Rabatt auf jedes Ticket. Umbuchungen sind möglich, auch für nur ein Ticket. Wenn das neue Ticket allerdings einen höheren Preis hat, muss der Aufpreis gezahlt werden. Eine einzelne Fahrkarte kann storniert werden, in dem Fall behält Renfe jedoch 40% des Gesamtpreises der Fahrkarte als Gebühr ein. Werden beide Tickets storniert, so fallen 15% des Gesamtpreises als Gebühr an.

Wissenswertes

🛂 Gepäckkontrolle

Wer in Spanien mit einem Hochgeschwindigkeitszug fahren möchte, muss sein Gepäck einem Sicherheitscheck unterziehen. Das Gepäck wird wie am Flughafen durchleuchtet, es empfiehlt sich also, keine Taschenmesser oder Scheren im Koffer zu transportieren - oder diese vor der Kontrolle in die Hosen- oder Jackentasche zu befördern. Das Passieren der Kontrolle geht normalerweise schnell, trotzdem empfiehlt es sich, mit genug Vorlaufzeit am Bahnhof anzukommen.

💼 Gewichtsbegrenzung für Gepäck

Offiziell sind in Renfe-Zügen nur Gepäckstücke erlaubt, die weniger als 25 kg wiegen, allerdings wird das Gewicht nicht nachgeprüft. Solange ihr also keine Gegenstände transportiert, die offensichtlich schwer sind, solltet ihr keine Probleme haben.

🚲 Fahrradmitnahme

Normalerweise können Fahrräder in Mittelstreckenzügen, für die keine Sitzplatzreservierung nötig ist, gratis mitgenommen werden. Wenn die Fahrtstrecke mehr als 100 Kilometer beträgt, muss ein Sitzplatz reserviert werden und für die Fahrradmitnahme fällt eine Gebühr von drei Euro an. In Langstreckenzügen -egal ob es sich dabei um Hochgeschwindigkeitszüge handelt oder nicht - können Fahrräder zwar gratis mitgenommen werden, sie müssen jedoch in einer Transportbox befördert werden, die 120 x 90 x 40 cm nicht überschreitet. Zudem müssen Lenker und die Pedale entfernt werden.

🐶 Haustiere

AVE und andere Langstreckenzüge: Kleine Haustiere unter 10 Kilogramm dürfen in einer Transportbox oder Tasche mitgenommen werden. Diese darf eine Größe von 60 x 35 x 35 cm nicht überschreiten. Wer ein Ticket für die Preferente-Klasse kauft, kann Hund, Katze, Frettchen und Co. gratis mitnehmen, für den Transport in allen anderen Klassen muss 25% des Ticketpreises entrichtet werden. In Mittelstrecken- und Avant-Zügen gelten die gleichen Regeln, der Ticketpreis hängt von dem jeweiligen Zug ab. Ist der Zug einmal überfüllt, so kann es vorkommen, dass Haustiere nicht mitgenommen werden können - dies kommt jedoch äußerst selten vor. 

👪 Reisen mit Kindern

Kinder unter vier Jahren reisen in AVE-, Langstrecken- und Avant-Zügen gratis, solange sie keinen eigenen Sitz benötigen - sie müssen also auf dem Schoß der Eltern Platz nehmen. Vor Antritt der Reise muss hierfür ein Gratis-Kinderticket gekauft werden - pro Erwachsenenticket wird nur ein Exemplar vergeben. Zu einem geringen Preis kann für Kinder unter vier Jahren ein Kindersitzplatz erworben werden. Kinder unter 14 Jahren erhalten beim Kauf einer Bahnfahrkarte 40% Rabatt auf den Ticketpreis - das Angebot gilt für alle Ticket- und Zugarten.

 

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