Warum sind Tickets zum Sparpreis nicht auf allen Strecken verfügbar? Wie kann es sein, dass manchmal ein Bahnticket für die erste Klasse weniger kostet als das Äquivalent für die zweite Klasse? Und wie macht die Deutsche Bahn eigentlich ihre Preise? Diesen und weiteren Fragen rund um Ticketpreise gehen wir in unserem Artikel über Flex-, Sparpreis und Co. auf den Grund. 

Flexpreis: der Normalpreis der Deutschen Bahn

Generell gibt es bei der Bahn zwei verschiedene Arten von Preisen: Normalpreise und variable Preise. Der Normalpreis heißt bei der Deutschen Bahn ‘Flexpreis’ und wird für eine bestimmte Strecke festgelegt. Ebenso wie die Sparangebote wird auch der Normalpreis auf Grundlage der Nachfrage pro Strecke einzeln festgelegt. Die Bahn unterteilt ihr Angebot in die folgenden Produktklassen: ICE, IC/EC und C. Dabei handelt es sich um Fernverkehrs-, IC/EC- und Nahverkehrstarife, für die der Flexpreis jeweils unterschiedlich berechnet wird. Seit Dezember 2016 gilt auf allen Strecken der “differenzierte Flexpreis”. Das bedeutet, dass die Flexpreise an Tagen, an denen die Züge einer bestimmten Strecke weniger ausgelastet sind, günstiger werden und an Tagen, an denen Tickets start nachgefragt sind, mehr kosten. Die maximale Grenze für diese Preisschwankungen sind 2,9%, der Unterschied zum Flexpreis einer Strecke vor der Änderung am 11.12.2016 beträgt also höchstens 2,9% - ob nun weniger oder mehr.

Normalpreise der Produktklasse ICE - Fernverkehrstarif

Die Grundlage der Normalpreise in der Produktklasse ICE (für die Zugtypen ICE, ICE Sprinter, Railjet, Thalys und TGV) bildet der sogenannte ‘Relationspreis’. Dieser wird mithilfe tariflich festgelegter Relationen, auch Preispunkte genannt, berechnet: Für jede Verbindung von einem Bahnhof zum nächsten wurde bei Einführung des Preissystems im Jahr 2002 ein bestimmter Preis festgelegt. Dieser Preis wurde mit den Jahren erhöht, das Prinzip bleibt aber das gleiche - der Preis zwischen zwei Stationspunkten ist festgelegt und ändert sich während des Buchungszeitraums nicht. Die Bahnhöfe werden übrigens als “Preispunkte” bezeichnet, die Strecken zwischen diesen als “Fernverkehrsräume”. Laut Angaben der Deutschen Bahn basiert das Preissystem auf empirischen Grundlagen - als beliebt geltende Strecken wurden auf einen höheren Preis festgelegt als in der Vergangenheit weniger ausgelastete. Auch die Streckengeschwindigkeit eines Zuges und die Reisezeit auf einem bestimmten Fernverkehrsraum wurde bei der Preisbildung berücksichtigt.

Der Flexpreis in der Produktklasse IC/EC

Im Gegensatz zum Fernverkehrstarif wird der Preis eines Tickets der Produktklasse IC/EC ( für die Zugtypen IC, EC, CNL und EN) auf Grundlage der Entfernung zwischen Start- und Zielbahnhof berechnet. Er basiert auf sogenannten Tarifkilometern. Dabei handelt es sich um eine von der Bahn festgelegte Entfernungseinheit, mit der der entfernungsbedingte Preis eines Bahntickets berechnet werden kann. Der Preis ergibt sich aus der Summe der Tarifkilometer einer Strecke zwischen Start und Ziel - allerdings steigt er weniger stark, je länger die Strecke ist.

Der Flexpreis in der Produktklasse C - Nahverkehrstarif

Die Produktklasse gilt für Züge des Nahverkehrs - IRE, RE, RB, S-Bahnen sowie private Nahverkehrsanbieter. Er wird wie der Preis der nächsthöheren Produktklasse IC/EC auf Grundlage der Entfernung einer Strecke gebildet - allerdings mit Hilfe der sogenannten ‘Raumbegrenzungen’ für den Nahverkehr, die sich von den Tarifkilometern der Deutschen Bahn unterscheiden. Eine genaue Aufschlüsselung der entsprechenden Preise findet ihr in der detaillierten Preisliste der Deutschen Bahn. Generell gilt übrigens eine Obergrenze von 142 Euro in der 2. Und 237 Euro in der ersten Klasse - teurer darf der Flexpreis auf keiner Strecke werden.

Der Sparpreis, der sich ständig ändert

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Das oberste Prinzip der Bahn beim Ticketverkauf lautet: der Zug soll voll werden. Aus diesem Grund gibt es die Sparpreise der Deutschen Bahn, welche nicht festgesetzt sind, sondern ständig schwanken. So kann es sein, dass auf der Beispielstrecke Frankfurt - Köln für einen Zug am Montagmorgen um 10 Uhr die Ticketpreise bei 59 Euro beginnen, für einen Zug um 12 Uhr jedoch bei 19 Euro. Geht die Bahn davon aus, dass ein Zug zu einer bestimmten Zeit sehr beliebt ist, sind die Preise nämlich von Anfang an weitaus teurer als auf weniger ausgelasteten Strecken. Da in Deutschland quasi sekündlich irgendwo ein Zug abfährt, können die Preise natürlich nicht manuell von den Bahnmitarbeitern festgelegt werden. Zu diesem Zweck gibt es Computerprogramme, die auf Grundlage von Daten aus der Vergangenheit Zugauslastungen prognostizieren und Preise automatisch “machen”. Diese Technik nennt sich ‘Yield Management’.

Das Prinzip des Yield Management wird zur Preis- und Kapazitätssteuerung genutzt und wird häufig von Transportunternehmen wie Flug- und Bahngesellschaften angewendet.

Mit Hilfe statistischer Verfahren werden Prognosen über das Kaufverhalten potenzieller Kunden getroffen, welche als Grundlage für Preis- und Ticketkontingente dienen. Im Fall der Deutschen Bahn werden mit Hilfe dieses Prinzips die Preise für die Sparangebote gemanagt - die oben genannten Flexpreise bleiben hingegen gleich und werden anders berechnet.

Änderungen des Sparpreis Europas für BahnCard-Besitzer ab Dezember 2016

Schlechte Neuigkeiten für alle Besitzer einer BahnCard 25, die mit der Deutschen Bahn ins Ausland reisen: ab dem 11. Dezember wird der Rabatt beim Sparpreis Europa nur noch auf den deutschen Streckenanteil gewährt, der ausländische Teil der Reise muss zum vollen (Spar-)preis gezahlt werden.

Die Vorverkaufsfristen der Deutschen Bahn

Bislang betrug der Zeitraum, in dem Bahntickets online gekauft werden konnten, 90 Tage. Nur in DB Reisezentren waren Tickets bis zu 6 Monate vor Reisedatum zu erwerben. Dies ändert sich nun: Der Vorverkaufszeitraum für alle Bahntickets wurde auf 180 Tage ausgeweitet - in allen Vertriebskanälen der Deutschen Bahn. Das bedeutet, dass ihr von nun an alle Fahrkarten auch online bereits ein halbes Jahr vor eurem Reisedatum erwerben könnt. Natürlich auch auf trainline.de und in unserer App.